Ortsgruppe Lahr
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2. Pressemitteilung zum Neubau Klinikum Lahr

12.02.2026

Für den Erhalt des Klinikums Lahr am bisherigen Standort

Bezugnehmend auf die Zusage weiterer Fördergelder für die Planung und um die
Zukunft des Lahrer Klinikums zu unterstützen weisen wir nochmals mit fundierten
Argumenten auf unsere Position hin:
Der BUND Ortsverband Lahr-Schuttertal spricht sich weiterhin für den Erhalt und die
Weiterentwicklung des Klinikums Lahr am bestehenden Standort Altvater in
öffentlicher Hand aus. Aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes stellt die Sanierung
und Anpassung des bestehenden Klinikums gegenüber einem Neubau auf der
„grünen Wiese“ die deutlich verträglichere Alternative dar.

Artenschutzrechtliche Konflikte

In der Sitzung des Technischen Ausschusses vom 05.11.2025 wurde bekannt, dass
am vorgesehenen Neubaustandort geschützte Arten vorkommen. Der Wiesenknopf-
Ameisenbläuling, welcher zum „Schmetterling des Jahres 2026“ gewählt wurde,
sowie Haselmaus und Zauneidechse. Alle diese Arten unterliegen strengen
naturschutzrechtlichen Schutzbestimmungen.
Insbesondere beim Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist eine erfolgreiche Umsiedlung
höchst problematisch. Er ist nicht nur auf den Großen Wiesenknopf als Wirtspflanze
angewiesen, sondern zusätzlich auf das gleichzeitig ortsnahe Vorkommen ganz
bestimmter Ameisenarten.
Da dieser Schmetterling sehr standorttreu ist, müsste die Umsiedlungsfläche in
unmittelbare Nähe liegen. Nur unter diesen sehr spezifischen Bedingungen kann der
Schmetterling überleben.
Eine kurzfristige Umsiedlung bis zum geplanten Baubeginn ist aus fachlicher Sicht
kaum realistisch. Dies lässt erhebliche Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit des
Projekts bestehen.

Ökologische Gesamtbewertung

Ein Klinikneubau am Standort bei Langenwinkel würde mit einem erheblichen
zusätzlichen Flächenverbrauch einhergehen. Die Versiegelung bislang unbebauter
Flächen verschärft bestehende Probleme wie den Verlust von Biodiversität, die
Zunahme von Hitzeinseln sowie steigende Risiken bei Starkregenereignissen und
Hochwasser. Gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels sind
unversiegelte Flächen, Grünzüge und funktionierende Gewässer von zentraler
Bedeutung für Klimaanpassung und natürlichen Wasserrückhalt.
Hochwasserschutz und Klimaanpassung
Die vorgesehenen Bau- und Erschließungsmaßnahmen – einschließlich neuer
Zufahrtsstraßen – stehen zudem im Widerspruch zu den Anforderungen eines
zukunftsfähigen Hochwasserschutzes. Natürliche Retentionsflächen, Auen, Wiesen
und Wälder sind unverzichtbar, um Niederschlagswasser aufzunehmen und
Hochwasserspitzen abzuflachen.
Hochwasserschutzmaßnahmen sind daher unabdingbar.
 

Finanzielle Verantwortung und Generationengerechtigkeit

Die öffentlichen Haushalte von Stadt, Kreis und Land stehen bereits heute unter
erheblichem Druck. In jüngster Zeit mussten nicht nur in Lahr Projekte aufgrund
finanzieller Engpässe zurückgestellt oder in Frage gestellt werden. Vor diesem
Hintergrund ist es aus Sicht des BUND geboten, insbesondere Großprojekte mit
hohen Folgekosten kritisch zu überprüfen.
Ein Klinikneubau würde hohe Baukosten sowie zusätzliche Ausgaben für
Infrastruktur, Ausgleichsmaßnahmen für Naturschutz sowie Hochwasserschutz nach
sich ziehen.
Schulden belasten künftige Generationen. Finanzielle Schulden können zumindest
theoretisch zurückgezahlt werden können, verlorene Naturflächen, zerstörte
Lebensräume und beeinträchtigte Ökosysteme sind nur mit immensem Aufwand
oder gar nicht wiederherstellbar.

Schlussfolgerung

Der BUND Lahr-Schuttertal sieht im geplanten Klinikneubau am Standort
Langenwinkel eine erhebliche Belastung für Natur, Klima und öffentliche Finanzen.
Er fordert daher eine Neubewertung der bisherigen Planung und eine ernsthafte
Prüfung der zukunftsfähigen Weiterentwicklung des in den letzten Jahren laufend
modernisierten Klinikums am Standort Altvater.

 

 

 

dunkler Wiesenknopf Ameisenbläuling Quelle: Bernd Trommer – CC-BY-4.0, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons